Donnerstag, 29. März 2012

Der Lappen

Vor einiger Zeit habe ich an einem Reststück ungebleichter Baumwolle einen Rollsaum ausprobiert. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich für die vier Seiten des ca. 33x36 cm großen Stoffstücks insgesamt über vier Stunden gebraucht, vielleicht sogar fast fünf, habe mich nebenher aber auch mit Filmen abgelenkt.
Im Vergleich zu dem letzten handgenähtem Saum und den maschinengenähten Säumen, die ich normalerweise arbeite, hat dieser Rollsaum tatsächlich einen Charme, der den Zeitaufwand mehr als rechtfertigt. Mir gefällt die Unregelmäßigkeit der Kanten und die kleinen Stiche auf der Vorderseite. Mir gefällt, dass er sehr persönlich ist und eine Art Handschrift zeigt, zumindest ist das mein Eindruck, wenn ich mir Bilder von anderen handgenähten Rollsäumen ansehe. Mir gefiel auch der Vorgang des Nähens selbst, beim Hohlsaum dagegen konnte ich wenig Freude in der Tätigkeit finden.
Nachdem der Rollsaum fertig war, hatte ich das Stoffstück in einen Rollrahmen gespannt, um zu sehen, wie der Saum mit der Beanspruchung durch die Zugkraft fertig wird. Reißt die Naht? Leiert sie aus? Entstehen Löcher? Nachdem das Tuch dort jetzt einige Wochen unter Spannung stand bin ich sehr froh: die Naht hat den Test bestanden. Keine Zeichen von Überanspruchung.
Ich interpretiere wahrscheinlich wieder zu viel hinein, aber jetzt wo ich die Tücher mit dem Hohlsaum und dieses hier vergleiche, kann ich deutlich den Unterschied erkennen.
Es ist mehr, als nur eine neue Technik die man erlernt hat und in der man vielleicht besser werden kann. Es ist eine neue Art sich auszudrücken und sich weiterzuentwickeln.
Dieser Rollsaum hier, das bin ich.
Und ich habe Lust, mehr damit zu machen.

Sonntag, 25. März 2012

Das Ende des digitalen Zeitalters

wäre für mich letzte Woche fast angebrochen, als sich mein MacBook plötzlich nicht mehr rührte. Ein schwarzer Bildschirm war alles, was es mir noch bieten konnte.
Wäre ich damit allein gewesen, ich hätte aufgegeben.
Ich habe mir schon meine Zukunft ohne Computer vorgestellt. Ohne Internet, was gar nicht mal so schwierig wäre, in der Theorie. Einer meiner Neujahrsvorsätze ist sowieso weniger Zeit online zu verbringen, von Facebook und Twitter habe ich mich ja bereits abgemeldet.
Schwierig wurde es, als ich die Speicherkarte aus meiner Kamera holte und mich fragte, wohin nun damit? Wie komme ich jetzt an meine Fotos?

Wie so oft wusste mein Herr Doktor Rat.
Zwar war ich nicht wirklich überzeugt, als er anfing meinen Rechner komplett zu zerlegen, mit der Aussicht, das Logicboard dann ein bißchen bei 200 Grad im Backofen zu braten. Aber ich hatte ja auch nichts zu verlieren.
Er hat diese und diese Anleitung zur Hilfe genommen und Ihr könnt es Euch schon denken: mein MacBook funktioniert wieder.
Der ganze Prozess war sehr sehr frustrierend und mein Herr Doktor meinte auch, dass ich mich lieber mit dem Gedanken beschäftigen sollte, dass ich mir schon in naher Zukunft doch vielleicht einen neuen Rechner kaufen müsste.
Ich kann mich nicht damit anfreunden, weil es mir nicht gefällt, so abhängig von dieser Technik zu sein, wie teuer sie ist, wie umweltschädlich die Geräte sind und der ganze Herstellungsprozess ist auch etwas, mit dem ich mich gar nicht näher beschäftigen möchte, weil ich es vermutlich nicht gutheißen könnte. Schlimm, ich weiß.
Fürs erste bin ich aber noch einmal davon gekommen.
Apropos sich selbst überholende Technik:
Vor ein paar Monaten hat blogger irgendwie sein System umgestellt, mit der Folge, dass ich massive Probleme mit diesem blog hatte. Vermutlich weil ich in meinem alten Template am html Code herumgefummelt hatte, mutwillig und ahnungslos natürlich, und nichts mehr so richtig funktionierte. Auch das hat mich so genervt, dass ich es erst einmal ignoriert habe.
Nachdem mein MacBook wieder funktionstüchtig war, habe ich mich zusammengerissen und bin auch dieses Problem angegangen.
Den Erfolg seht Ihr hier.
Alles müsste zumindest so ähnlich aussehen wie vorher und sich der Bestimmung nach verhalten. Sollte Euch etwas ungewöhnliches auffallen: ich freue mich über Feedback.
Denn natürlich habe ich auch dieses Mal wieder am html Code herumgefummelt.

Dienstag, 20. März 2012

Notizheft für den Sommer

Ich habe ein neues Notizheft gebastelt:
Als Buchdeckel dienen die zwei Seitenteile einer Müslischachtel, einfach an den Kanten auseinandergerissen, was eine schöne ausfransende Unregelmäßigkeit ergibt. Die bedruckte Außenseite habe ich mit Gesso geweißt, im Laufe der Zeit könnte ich sie also noch bemalen.
Zusammengefügt habe ich die beiden Deckelteile dann mit Filmoplast T, was ich für alle einfache Bindearbeiten nur empfehlen kann, es hält sehr sehr gut, ist stabil und gleichzeitig gut formbar, hat durch die textile Beschaffenheit einen schönen Griff und scheint gut zu altern.
Zudem kann man einfach per Hand oder Maschine durchnähen, ich habe hier einfach wieder Sticktwist benutzt. Im Gegensatz zu meinen letzten Heften habe ich diesmal die Papiere in 6 einzelne Sektionen aufgeteilt, die einzeln eingenäht wurden. Das hat den Vorteil, dass ich mehr Blätter einarbeiten kann und sie sich nach außen hin gleichmäßiger ausfächern und das Heft liegt aufgeschlagen insgesamt glatter.
Als Schreibpapier habe ich zerknicktes oder falsch bedrucktes Druckerpapier, lose Seiten aus anderen Notizheften und gefundene Papiere in verschiedenen Größen benutzt. Zudem habe ich die Angewohnheit Modeseiten aus Zeitschriften zu sammeln, für dieses Heft bin ich durch meine Sammlung gegangen und habe ein paar sommerliche Seiten, die hell genug sind um darauf schreiben zu können, mit eingearbeitet.
Durch die verschiedenen Papiergrößen war das Zusammennähen der verschiedenen Sektionen etwas komplizierter als gewöhnlich. Ich hatte eine Art "Lochvorlage" aus einem Papierstreifen gemacht, um in allen Sektionen die Löcher auf der gleichen Höhe anbringen zu können. Letztendlich war es dann aber doch so, dass ich beim Einnähen jeder Sektion einzeln durch jedes Blatt stechen musste, weil die Lagen ständig verrutscht sind und die vorgestanzten Löcher nicht mehr aufeinander lagen. Das ging dann aber auch ganz gut.
Tatsächlich macht dieses Zusammennähen der Blätter in mehreren Sektionen einen großen Unterschied der mir sehr gefällt. Nicht nur wegen der oben beschriebenen Vorteile in der Handhabung, das Heft macht insgesamt tatsächlich einen stabileren und fast schon buchartigen Eindruck, ohne die Leichtigkeit des Heftes zu verlieren.
Insgesamt bin ich nicht nur mit dem Ergebnis der neuen Bindetechnik als auch mit dem Gesamteindruck sehr zufrieden und es wird mich gut bis zum tatsächlichen Sommeranfang begleiten.
Typisch ich.
Kaum ist der Frühling tatsächlich da,
träume ich schon wieder vom Sommer.